1995 konstatierte der amerikanische Präsident Bill Clinton: "Unternehmerinnen
prägen das neue Gesicht der US-Wirtschaft". Frauen gründen
nach den aktuellen Zahlen in den Vereinigten Staaten doppelt so häufig
neue Unternehmen wie ihre männlichen Kollegen, das Wachstum dieser
Firmen geht in der Folge zweimal schneller von statten wie das der von
Männern geleiteten Unternehmen. Somit zeichnet sich eine Verdreifachung
des Umsatzes der von Frauen geleiteten Geschäfte ab; seit 1987
von 806 Milliarden auf heute 2,3 Billionen Dollar. Diese Entwicklung
nahm ihren Ursprung in den siebziger Jahren, wo viele gründungswillige
Frauen, die in ihrem Land eine relativ durchlässige Unternehmenskultur
erkannten und für sich nutzten. Wo in den USA 36% aller Unternehmen
in weiblicher Führungshand sind, ist ihr Anteil in Deutschland
einschließlich aller Freiberuflerinnen erst bei 27 Prozentpunkten
angelangt.
Doch auch in Deutschland hat die Bedeutung weiblicher Selbstständigkeit
innerhalb der letzten 10 Jahre erheblich zugenommen. So wurde 1996 in
den alten Bundesländern etwa jede fünfte geförderte Existenzgründung
von einer Frau vorgenommen, in den neuen Ländern von jeder vierten.
Im beobachteten Zeitraum 1979-1995 ist die Zahl der männlichen
selbstständigen um 131.000 gestiegen (9,4 %), die der weiblichen
selbstständigen um 121.000 (28,3%). Frauen sind sozusagen auf dem
Vormarsch.
Auf der F.A.M.E '98 (Frauen Austausch Messe Erfolg), einer jüngst
in Hannover stattfindenden Messe für Unternehmerinnen, Gründerinnen
und allen Interessierten, wurde sogar von jeder dritten Gründung
aus Frauenhand gesprochen.
Das gern zitierte Wort der ehemaligen Bundesfrauenministerin Dr. Angela
Merkel "Ein Unternehmer hat in der Regel eine Frau im Rücken,
eine Unternehmerin dagegen eine Familie im Nacken" beschreibt nach
wie vor pointiert die familiären Ausgangsbedingungen für Mütter,
insbesondere Alleinerziehende bei Gründungsvorhaben. Sicherlich
unterliegen Frauen auch in der Wahl ihrer Unternehmensform geschlechtsspezifischen
Ausprägungen; sie wählen andere Branchen als Männer.
Bevorzugt werden von ihnen Freie Berufe, besonders Heilberufe mit 26,4%
gewählt, der Handel folgt mit 24,7%, Dienstleistungen mit 23% und
das Handwerk stellt mit 22,3% das Schlusslicht dar. Männer dagegen
präferieren das Handwerk mit satten 44,1%, es folgen Dienstleistungen
mit 19,4% und der Handel liegt bei 13,6%. Die Mehrheit der von Frauen
gegründeten Unternehmen sind Kleinstunternehmen mit maximal zwei
oder drei Angestellten, oftmals startet das Unternehmen in der Garage
oder im Wohnzimmer der Chefin. Diese Aussagen gelten gleichermaßen
für die amerikanischen Kolleginnen. Sicherlich bekommen Frauen
einen prozentual geringeren Anteil an Fördermitteln als Männer;
die Herangehensweise ist oftmals von geringerem Kapitalwagnis gekennzeichnet
als beim anderen Geschlecht. Es kommt auch vor, dass Frauen aus Gründen
der Risikoscheuheit zu niedrig an das Vorhaben herangehen und somit
zu gering kalkulieren.
Dass Frauen jedoch insgesamt präsenter im Existenzgründungsbereich
und in der Unternehmenslandschaft geworden sind und sein werden, bedeutet
auch, sich als Berater oder Beraterin neuen Kommunikationsstrukturen
zu öffnen. Frauen wird berechtigterweise nachgesagt, sie hätten
einen anderen Stil mit Macht umzugehen. Eine höhere Sozialkompetenz
bedeutet, dass zwischenmenschliche Beziehungen ernster genommen werden
und eher auf Meinungen von Kollegen und Untergebenen reagiert wird.
Das "old-boys" Netzwerk wird zunehmend ein Auslaufmodell.
In den von mir durchgeführten Orientierungsseminaren für gründungsinteressierte
Frauen wird deutlich, dass eine Scheu vor Beratung allgemein vorhanden
ist. Es scheint sicherer zu sein das Geschäftsrisiko so klein wie
möglich zu gestalten und dabei alle Planung in der eigenen Hand
zu behalten. Man bzw. Frau vertraut sich und ihr Vorhaben Ehemännern,
Verwandten und Bekannten, vielleicht noch gerade dem Steuerberater an
und macht oft einen großen Bogen um professionelle Berater. Es
soll nicht nur die finanzielle Ausgabe vermieden werden, sondern es
fehlt die Vorstellung von der Professionalität und den Erfahrungen
der Beratungsleistungen profitieren zu können. Der Beraterstand
sollte sich deshalb auf das zunehmende weibliche Aufkommen stärker
einstellen und dies auch positiv signalisieren.
Besonderheiten innerhalb der Beratungen bei potenziellen Unternehmerinnen
wären da zunächst eine höhere Sensibilität gegenüber
der gesamten familiären Situation. Eine frauenspezifische Herangehensweise
an ein Unternehmen ist, wie gesagt, gelegentlich vorsichtiger wenn nicht
sogar zögerlich. Der drohenden Unterfinanzierung sollte da von
Beraterseite Rechnung getragen werden. Doch zunächst einmal müssen
Frauen sich mehr von den Fähigkeiten und Leistungen der Berater
angesprochen fühlen und den Eindruck gewinnen, dass sie hier gut
aufgehoben sind.
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