Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung
Die (Kurz-)Geschichte meiner Unternehmensgründung
Unternehmensgründungen durch Hochschulabsolventen
Die neuen Selbständigen - eine Bewegung der Visionäre aus
den 80er Jahren
Hochschulgründungen aus Forschungsvorhaben bzw. Drittmittelprojekten
in den 90er Jahren
Trends, Stärken und Schwächen von Gründungen aus der
Hochschule
Zusammenfassung
Warum sollten sich Hochschulabsolventen unternehmerisch selbständig
machen? Bisher kamen fast alle im Öffentlichen Dienst und bei größeren
Unternehmen unter.
In den 80er Jahren waren es die alternativ orientierten "Neuen
Selbständigen" und in den 90er Jahren die Ingenieure und Naturwissenschaftler,
die direkt nach der Hochschule (Klein-) Unternehmen gründeten.
Die Gründungseuphorie hat auch die Hochschulabsolventen erfaßt,
gerade wo der öffentliche Dienst kaum neue Planstellen für
Akademiker schafft und das Bild des erfolgreichen Jung-unternehmers
in Medien und in der Politik kursiert, fördert die wachsende gesellschaftliche
Akzeptanz und die zunehmende Dynamik im Dienstleistungsbereich die unternehmerische
Selbständigkeit.
Die Möglichkeiten für die unternehmerische Selbständigkeit
von Hochschulabsolventen sind jetzt und zukünftig vorhanden - sie
müssen "nur" realistisch unternehmerisch geplant und
umgesetzt werden.
Die (Kurz-)Geschichte
meiner Unternehmensgründung
Während meines wirtschaftwissenschaftlichen Studiums (1975-1979)
an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg habe ich nicht
im entferntesten daran gedacht, mich nach dem Abschluß des Studiums
zum Diplom-Ökonomen unternehmerisch zu betätigen. Ich hatte
in dieser Zeit des Protestes, der gesellschaftlichen Visionen und Umbrüche
die vielen kleinen und großen Motoren unserer Wirtschaft nicht
im Blickfeld, obwohl ich aus einem 100-jährigen Einzelhandelsunternehmen
stamme, bei einer Bank ausgebildet wurde und dort gear-beitet habe sowie
Betriebswirtschaft studierte. Einige Stationen in Dienstleistungs- und
Beratungsunternehmen führten mich zur Unternehmensberatung; aber
erst die Kooperation mit einem Kollegen führte mich in die unternehmerische
Selbständigkeit. Seit über 17 Jahren berate ich u.a. Unternehmensgründer
und -gründerinnen bei Aufbau und Weiterentwicklung ihrer Vorhaben
- fast 30 % unserer Kunden sind Akademiker /innen.
Unternehmensgründungen
durch Hochschulabsolventen
In Deutschland machten sich in den letzten Jahren zwischen 500.000 -
700.00 Menschen pro Jahr selbständig und meldeten ein Gewerbe bzw.
eine freiberufliche Tätigkeit an. Zur Zeit sind 9 % der Erwerbspersonen
selbständig; vor 40-50 Jahren waren es noch 12-15 % - in den USA,
in Großbritannien und Frankreich ist die Selbständigenquote
25-40 % höher. Hierbei gibt es ein regionales Gefälle: Während
in München 1998 118 Gründungen auf 10.000 Einwohner gezählt
wurden, sind es im Land Hessen 92, im Land Niedersachsen nur 67 Gründungen
und immerhin in der Stadt Oldenburg 103 (1999, nur Gewerbeanmeldungen).
75 % der Unternehmer und Unternehmerinnen haben eine abgeschlossene
Berufsausbildung und 80 % eine Berufserfahrung von mehr als 10 Jahren.
70 % der Selbständigen sind männlich - z.Zt, erfolgt aber
schon jede 3. Gründung durch eine Frau. In den ersten drei Jahren
scheitern über 50 % der Unternehmensgründungen aus den verschiedensten
Gründen: Etliche haben eine zu geringe Kapitaldecke, viele unterschätzen
die Dauer der Anlauf- und Aufbauzeit des Unternehmens, manche haben
zu große Qualifikationsdefizite, einige haben zu geringe Marktanteile
usw. usf. - und manche finden einen lukrativeren Job als Angestellte
Die Akademiker spielen in
dieser Statistik erst in den letzten Jahren eine wachsende Rolle: In
der Vergangenheit sind fast 50 % aller Hochschulabsolventen in den Öffentlichen
Dienst gegangen - das traditionelle Sicherheitsdenken ist hierfür
ein Grund -, ein weiterer großer Anteil von Akademikern arbeitet
bei größeren Unternehmen. Bedeutung hat hierbei auch, daß
Hochschüler kaum während des Studiums mit dieser beruflichen
Alternative konfrontiert werden und während des Studiums überwiegend
große Unternehmen und Verwaltungen Studienobjekte sind. Hierbei
wurde die akademische Selbständigkeit von Ärzten, Rechts-anwälten,
Architekten und Steuerberatern geprägt. Trotzdem war in den 90er
Jahren fast jeder sechste Unternehmer Akademiker/in und direkt nach
der Hochschulausbildung haben sich immerhin 7 % aller Hochschulabsolventen
selbständig gemacht.
Natürlich spielt
die Dynamik in der Wirtschaft, die gesellschaftliche Akzeptanz und die
Förderung der unternehmerischen Selbständigkeit eine Rolle,
aber jeder Gründungswillige hat eine persönliche Geschichte,
die immer den Ausschlag gibt: Das Verwirklichen von eigenen Ideen, keine
beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten, betriebliche Reorganisation,
Outsourcing (Ausgründungen), nicht zu ertragende Vorgesetzte, (drohende)
Arbeitslosigkeit, persönlicher Freiheitsdrang, unternehmerische
Erfahrungen im Elternhaus usw. - und vor allem Zufälle.
Die neuen
Selbständigen - eine Bewegung der Visionäre aus den 80er Jahren
Bevor Mitte der 90er Jahre die Unternehmensgründungen bei fast
allen Bevölkerungsschichten "modern" und von den staatlichen
Institutionen als Arbeitsplatzbeschaffer gefördert wurden, gab
es in den 80er Jahren eine sogenannte Bewegung von " neuen Selbständigen":
Ausläufer
der 68er Bewegung, die nicht den "Marsch durch die Institutionen"
angetreten hatten; Menschen, die "alternativ" bzw. "ökologisch
orientiert leben" wollten, arbeitslose Idealisten und im weiteren
Sinne von den Berufsverboten Betroffene belebten mit teilweise neuen
Ideen die unternehmerische Landschaft. Am bekanntesten ist die Öko-Bewegung,
die Naturkostläden, den ökologischen Landbau, das ökologisch
orientierte Handwerk und die Produktion, die alternativen Fahrradläden
und Reiseveranstalter sowie Tagungs- und Bildungshäuser entstehen
ließ. Diese "neuen Selbständigen" waren oft arbeitslose
Lehrer/innen und Sozialwissenschaftler.
Zusätzlich gab es zu
dieser Zeit an der Universität in Oldenburg eine Förderung
der Selbständigkeit durch den damaligen Hochschulsportbeauftragten
Dr. Christian Wopp: Dem Freizeitsport an der Universität und in
der Stadt Oldenburg wurden nicht nur neue Impulse gegeben, sondern hier
wurden Studenten und Absolventen der Universität beschäftigt,
die zuerst als wissenschaftliche Hilfskräfte und ABM-Beschäftigte
gefördert wurden und später aufgrund dieser Erfahrungen sich
selbständig machten (Spielmobil, Mitmach-Zirkus, Reise-veranstalter,
Hersteller von innovativen Freizeitsportartikeln usw. usf.). Soweit
mir bekannt, ist keiner dieser neuen Unternehmer im herkömmlichen
Sinne gescheitert: Einige sind in ihrem Bereich Marktführer - einmal
sogar europaweit, die meisten haben ein durchschnittliches Einkommen
und ein Teil hat nach mehr als 10-jähriger Selbständigkeit
eine neue Beschäftigung im Schuldienst gefunden. Ein Grund für
die geringe Pleitequote war die realistische Herangehensweise gepaart
mit ideellem Eifer und materieller Bescheidenheit.
Vergessen sollten
wir aber auch nicht die in der Zeit nicht eingestellten Lehrer und Lehrerinnen,
die Kneipen, Tanzschulen, Second-Hand-Läden etc. erfolgreich betrieben
- und immer noch betreiben, obwohl auch hier fast die Hälfte den
Schuldienst in den 90er Jahren vorzogen.
Hochschulgründungen
aus Forschungsvorhaben bzw. Drittmittelprojekten in den 90er Jahren
Die Unternehmensgründer und -gründerinnen in den 90er Jahren
bis heute haben nicht die manchmal hemmenden Ideale der "Neuen
Selbständigen": Mit Pragmatismus und materiellem Erfolgsanspruch
treten sie unternehmerisch auf. Naturwissenschaftler, Informatiker,
Ökonomen, (ehemals) wissenschaftliche Mitarbeiter und Hochschullehrer
nehmen als Sprungbrett für eine (Teil-)Selbständigkeit Forschungsvorhaben
bzw. Drittmittelprojekte. So entstanden als bekannte überregionale
Projekte die Ökobank in Frankfurt, das Trendbüro in Hamburg
und der Softwareentwickler IDS Scheer AG. Oft sind es Dienstleister
in neuen Märkten: Softwareentwickler, Trainer, Biologen (Mikrovermehrung,
Biotechnologie, Um-weltanalytik), Meßtechniker, Wasserstofftechnologen,
Multimedia-Spezialisten - aber auch der Verkauf von hochwertigem Fast-Food,
Bringdienste, Call-Center, psychologische Praxen und verschiedenste
Gesundheitsdienste wurden und werden von Akademiker/innen gegründet.
In Oldenburg werden aber
auch Unternehmensgründungen von den universitätsnahen Einrichtungen
DIALOG (Dr. Seeber), POWER Nordwest und dem Informatik-Institut Offis
(Prof. Appelrath) aus Forschungs- und Arbeitszusammenhängen gefördert.
Offis hat hierbei weitreichende Pläne: Neben einem "Informations-
und Kommunikationszentrum" für junge Softwareunternehmen soll
das alte Fleiwa-Gelände wirtschaftliche Aktivitäten in den
Bereichen Hotel, Gastronomie, Tagungen, Fitness und Welness entfachen.
Pikanterweise gab es in den 80er Jahren schon eine Initiative von Dr.
Wopp, der um die Universität gruppierte Projekte und Unternehmen
verbunden mit einem Gesamtkonzept auf dem Fleiwagelände ansiedeln
wollte. Die städtische Politik und Verwaltung ließ sich damals
nicht begeistern.
Wie in den 80er Jahren sind es auch in der jüngsten Vergangenheit
die "Ziehväter", die einige Unternehmensgründer
und -gründerinnen beim Start in die Selbständigkeit den "Steigbügel"
halten
Trends,
Stärken und Schwächen von Gründungen aus der Hochschule
Sowohl die akademischen Gründer und Gründerrinnen der 80er
wie auch der 90er Jahre hatten immer ein gravierendes Problem: Die Ablösung
aus dem "sicheren" Schoß der Universität, vor allem
aufgrund der Unkenntnis von der "wirtschaftlichen Außenwelt"
. Dieser Sprung ins "kalte Wasser" des unternehmerischen Risikos
wird bestimmt auch nicht in Zukunft zu verhindern sein, da eine dauerhafte
inneruniversitäre Finanzierung kaum wahrscheinlich ist.
Das stetige Wachstum der
Wissens-, Informations- und Dienstleistungswirtschaft, weitere technologischen
Durchbrüche insbesondere in den Bereichen Kommunikation, Biotechnologie
und Gesundheit und die Deregulierung bzw. das Outsourcing bieten aber
zunehmend Chancen für Unternehmensgründungen nach der Hochschulausbildung.
Im Zuge dieser Entwicklung wird auch eine grundlegend veränderte
Beziehung zwischen Wohnen und Arbeiten, Arbeitszeit und Freizeitverhalten
zu erwarten sein. Einzelunternehmer, Freelancer, Solisten werden insbesondere
von Zuhause aus flexibel und kreativ ihre Leistungen anbieten. Schon
in den letzten 6 Jahren haben insbesondere (akademische) Selbständige
ohne Beschäftigte (+ 75%) gegenüber Selbständigen mit
Beschäftigten (+ 10%) Furore gemacht Wichtig ist für den kaufmännisch
unerfahrenen Akademiker hierbei realistisch an das Vorhaben heranzugehen,
denn unternehmerische Fehler werden sich gerade bei nur theoretisch
gebildeten Unternehmern zuhauf einstellen.
Deshalb ist es von Nutzen
qualifizierte Seminare und Beratung in Anspruch zu nehmen, um auf grundsätzliche
unternehmerische Herausforderungen antworten zu können :
• realistisches Unternehmens-
und Wirtschaftlichkeitskonzept
• Marketingkonzept bei Gründung und Aufbau
• ausreichende Ausstattung mit Eigen- und Fremdkapital
• monatliche Liquiditätsplanung
Hierbei wird natürlich
vorausgesetzt, das der Unternehmensgründer bzw. die -gründerin
fachlich qualifiziert und für das Leistungsangebot ein ausreichender
Markt vorhanden ist. Auch wenn der Unternehmenserfolg am Anfang größer
als geplant ist, sollte man auf dem Boden bleiben, um nicht zu den "Golden
Boys" (André Kostolany) zu gehören, die schon am Anfang
ihres unternehmerischen Daseins nicht mehr die Versicherung für
ihren Porsche zahlen können - denn der Unternehmenserfolg wird
bestimmt durch die unternehmerischen Fähigkeiten jedes einzelnen
Unternehmers und jeder einzelnen Unternehmerin.
Quellen:
DIW 1998
HIS 1998
Rentrop-Verlag
Trendletter 2000(x) 1999/2000
Der Mensch als Firma, aus: Die Zeit, Nr. 28 vom 8.8.99, Seite 15-17
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